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3:2 – VfV 06 entzaubert den Top-Favoriten Kickers Emden. PDF Drucken E-Mail

Image Hildesheim (tbr). Sie hatten ihr Visier gut eingestellt, die Oberliga-Fußballer des VfV Borussia 06 Hildesheim. Das konnte man gestern bereits beim Aufwärmen vor dem Spiel gegen den Top-Favoriten Kickers Emden beobachten. Die 06er übten Weitschüsse. Wie sich später herausstellte, ein äußerst effektives Mittel, um die beste Abwehr der Liga zu überwinden. Es waren zwei sehenswerte Fernschüsse, die den Weg zum 3:2-Sieg ebneten. Bereits nach zwölf Minuten fasste sich Abwehrspieler Mike Wiedemann ein Herz
und zog aus 25 Metern ab. Wie an der Schnur gezogen flog der Ball ins Dreieck des Emdener Tores – unhaltbar für Keeper Hergen Gerdes. „Da war auch Glück dabei“, gab Wiedemann hinterher zu. „Der Ball ist mir etwas vom Fuß abgerutscht.“ Der frühe Treffer passte ganz hervorragend ins taktische Konzept von Borussen- Coach Andreas Golombek. Man wollte
den konter- und defensivstarken Gästen nicht ins offeneMesser laufen. Die Hildesheimer operierten aus einer sicheren Abwehr und einemdicht gestaffelten Mittelfeld heraus, Björn Zimmermann hatte Liga- Torschützenkönig Andreas Gerdes- Wurpts gut im Griff. In der Offensive sollten Dennis Ametovski und Jane Zlatkov hinter der einzigen Spitze Omar Fahmy Akzente setzen. Die Marschroute ging auf: Schon vor Wiedemanns Traumtor hatte Ametovski zwei gute Schussgelegenheiten gehabt. Zunächst verfehlte er das Gehäuse knapp,
dann parierte Gerdes. Nur selten tauchte der Tabellenführer gefährlich vor dem VfV-Tor auf. Die beste Gästechance hatte Gerrit Thomas, der am herauslaufenden Hildesheimer Tormann Simon Blaus scheiterte (32.). Kurz vor dem Halbzeitpfiff lag das Leder wie aus heiterem Himmel doch im VfV-Tor. Nach einem Emdener Angriff bekam die Abwehr den Ball nicht weg. Nach Malte Müllers verunglücktem Schussversuch staubte Julian Bennert zum 1:1 ab. Coach Golombek kochte: „Anstatt den Ball einfach wegzuhauen, fangen
wir uns so ein blödes Ding ein.“Die Partie begann praktisch von vorn, zu Beginn der zweiten Hälfte erinnerte das Geschehen an Rasenschach. Beide Teams riskierten nach vorn nicht allzu viel und lauerten auf Fehler des Gegners. In der 63. Minute erspähte Mittelfeld- Stratege Zlatkov eine Lücke im Emdener Deckungsverband und steckte schön zu
Ametovski durch. Der scheiterte an Keeper Gerdes. Aus Nahdistanz trafen sie nicht, aus der Ferne umso besser. Nach einem abgewehrten Eckball drosch Agron Luma den Ball aus 20 Metern volley ins Netz (71.) – ein Riesending! Jetzt erst gaben die Gäste ihre Defensivtaktik auf, für den VfV 06 ergaben sich Konterchancen. Eine davon nutzteOmar Fahmy, der im Strafraumeinen Gegenspieler aussteigen ließ, nach innen zog und den Ball ins kurze Eck schoss – 3:1 (82.). „Da dachte ich, das Ding ist gelaufen“, sagte Golombek. Aber im
Gegenzug nutzte der eingewechselte Thomas Friauf eine Unachtsamkeit in der VfV-Abwehr und traf aus kurzer Distanz zum3:2. So wurde es in den letzten Minuten eine prickelige Angelegenheit. Jetzt stand Keeper Blaus im Blickpunkt, der mehrfach gegen die nun vehement anstürmenden Kickers Kopf und Kragen riskieren musste. In den letzten Sekunden des Spiels machten die VfV 06er das, was ihr Trainer schon vor der Halbzeit gefordert hatte: Einfach den Ball weghauen und den Vorsprung ins Ziel retten. Nach dem Abpfiff
des guten Schiedsrichters Ralf Orschulok aus Baunatal fehlte den 06ern die Kraft zum Jubeln. Erschöpft sanken sie zu Boden. „Es war sehr warm, das Spiel hat viel Energie gekostet“, sagte Torwart Blaus. Nach demSieg gegen Cloppenburg, dem Remis in Oldenburg und der knappen 2:3-Niederlage in Meppen haben die Hildesheimer erneut bewiesen, dass sie mit den Topteams der Oberliga mithalten können. Dennoch wetterte Golombek: „Umkonstant vorn mitzuhalten, fehlt uns in vielen Szenen noch die Cleverness. Nach dem 3:1 durften wir nicht mehr in Gefahr geraten.“ Aber es ist schon erstaunlich, was diese junge Truppe leistet. Mit 55 Punkten steht die Mannschaft auf Rang fünf. Und trotz seiner Kritik setzte Golombek neue Ziele: „Jetzt greifen wir Rang vier an.“ Der Mann ist ehrgeizig – und seine Jungs auch. Schade nur, dass die Hildesheimer noch nicht richtig gemerkt haben, dass da etwas zusammenwächst. Gegen das Top- Team Emden kamen nur 350 Zuschauer ins Friedrich-Ebert-Stadion. VfV 06: Simon Blaus – Mike Wiedemann, Björn Zimmermann, Christopher Nachtwey, Jane Zlatkov, Christoph Lange, Omar Fahmy (87. Ranko Sankovic), Agron Luma (85. Jan-Timo Buelow), Dennis Ametovski (75. Taeyun Lim), Niklas Kiene, Benjamin Halstenberg. Tore: 1:0 Wiedemann (12.), 1:1 Bennert (45.), 2:1 Luma (71.), 3:1 Fahmy (82.), 3:2 Friauf (83.). Schiedsrichter: Ralf Orschulok (Baunatal). Zuschauer: 350.

 

 
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