„Und sensibel biste also auch noch“
Fußball-Oberliga Ost: Christopher Nachtwey (22) kommt vom Goslarer SC
VON ULRICH HEMPEN
Hildesheim. Manchmal ist auch Ungeduld eine Tugend. Meint jedenfalls Trainer Andreas Golombek vom Oberligisten VfV Borussia 06 Hildesheim. Seine neue „Nummer 6“, Christopher Nachtwey, hat diese Unruhe in sich. „Wennein Fußballer ungeduldig ist, nicht zurücksteckt, unbedingt spielen und alles sofort erledigen will, ist das gut“, sagt Golombek. Das Ganze sei ein Hinweis auf eine gehörige Portion Ehrgeiz, und genau den wolle der Coach auf dem Feld sehen. Für zwei Jahre hat Mittelfeldmann Nachtwey beim VfV 06 unterschrieben. Zuletzt spielte er beim Regionalliga-Aufsteiger Goslarer SC. Indiz für Nachtweys Unruhe ist sein Lebenslauf. Der erst 22-Jährige darf sich getrost als Fußball-Globetrotter bezeichnen. Er spielte in den vergangenen Jahren für den SV Bockenem (ehemals Niedersachsenliga), Arminia Hannover,
den Oberligisten SV Schermbeck (nahe Oberhausen), Wacker Burghausen und zuletzt für Goslar. „Das ist meine Ungeduld. Wenn es nicht gleich wie erwartet lief, wurde ich kribbelig und wollte weg“, sagt Nachtwey. Zum Beispiel weg vom Drittligisten Burghausen. Gekommen war er dorthin, um sich in der I. Mannschaft durchzusetzen. „Ich wollte schon immer unbedingt Profi werden. Da habe ich mir selbst wohl zu viel Druck gemacht.“ Burghausen holte seinerzeit den mittlerweile wieder geschassten Trainer Günter Güttler. „Der sortierte erst mal ein halbes Dutzend junger Spieler aus – ins Reserve-Team. Und ich gehörte dazu“, erinnert sich Nachtwey. Das schmeckte dem gebürtigen Göttinger nicht. Also suchte er sich einen neuen Klub und wechselte nach Goslar. Dort lief es ebenfalls nicht rund, „doch langsam werde auch ich älter und reifer“. Soll heißen: Nachtwey hat erst einmal die Füße still gehalten und sich – für ihn bis dahin untypisch – in Geduld geübt.
Nach einer Weile meldeten sich die Hildesheimer. Aber nicht allein der
VfV Borussia 06, auch der SV Bavenstedt bekundete Interesse. Da sich
die Borussen etwas mehr bemühten, entschied sich Nachtwey für den VfV
06. Schon in seiner Jugend hatte er eine Weile an der Pottkuhle
gekickt. Seine Eltern waren damals von Göttingen inden Landkreis
Hildesheim gezogen. Nach Söhlde. Nachtwey schloss sich den B-Junioren
der Borussen an, eine emotionale Bindung ist seither geblieben.
„Hildesheim und den Klub betrachte ich irgendwie als meine Heimat. Hier
fühle ich mich aufgehoben“, sagt Nachtwey. Nach seinem gestrigen
Antrittsbesuch in der HAZ-Sportredaktion schaute sich der gelernte
Einzelhandelskaufmann seine neue Wohnung an. So schnell wie möglich
möchte er jetzt umziehen. Kommt er eigentlich allein, oder mit Anhang?
„Ich bin solo“, sagt Nachtwey. Sein neuer Coach Golombek spendet Trost:
„Keine Bange: In Hildesheim gibts reichlich schöne Frauen.“
Ausschließlich mit Fußball wird sich Nachtwey ohnehin nicht
beschäftigen. Er will zur Fachoberschule – sein Fachabitur bauen.
„Hoffentlich bekomme ich so kurzfristig noch einen Platz.“ VfV
06-Präsident Michael Salge wird ihn dabei unterstützen. Nachtwey
ersetzt im Team Thomas Heinicke, den alten „Sechser“ des VfV 06. Der
war nach Saisonende zum Stadtrivalen SV Bavenstedt gewechselt. „Wir
haben uns verstärkt, Christopher ist besser als Heinicke“, meint
Golombek. Sein Neuer habe ein gutes Spielverständnis, sei beidfüßig,
dazu stark im Zweikampf und beim Kopfballspiel. „Gepaart mit seinem
Ehrgeiz ist das eine ideale Kombination“, schwärmt Golombek weiter.
Nachtwey, der 1,85-Meter-Mann, ist durch und durch trainiert – ein
Modellathlet. Unter seinem T-Shirt lugt eine Tattoo. Er hat sich drei
antike Säulen und das Wort Amor auf den rechten Bizeps stechen lassen.
„Die Säulen stehen für meine Familie“, erklärt er. Eine für seinen
Vater, eine für seine Mutter und eine für seine Schwester. „Ach, und
sensibel biste also auch noch. Ich dachte, du wärst nur ein Haudrauf.
Ich glaube, wir werden viel Spaß zusammen haben“, sagt Golombek und
grinst. „Und sensibel biste also auch noch“ Fußball-Oberliga Ost: Der
VfV Borussia 06 hat einen neuen Sechser / Christopher Nachtwey (22)
kommt vom Goslarer SC Der VfV Borussia 06 Hildesheim hat mit
Christopher Nachtwey im defensiven Mittelfeld eine neue Nummer 6. Amor
und drei Säulen sind auf Christopher Nachtweys rechten Bizeps tätowiert.
Quelle: HAZ 02.07.2009
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